Geschichten

September 2009

Der Ballonmann   Ein Vater nahm seinen kleinen Sohn mit in ein Spielwarengeschäft. Während der Vater nach dem suchte, was er kaufen wollte, sah sich der Junge auf eigene Faust um. In einer Ecke fand er eine Figur aus Luftballons. Der große Luftballonmann faszinierte den Jungen, darum blieb er eine Weile davor stehen.  

Nach einer Weile konnte es der Junge nicht bleiben lassen, ein wenig gegen die Figur zu tippen, einfach nur, um zu sehen was dann passieren würde. Die Luftballonfigur kippte leicht nach hinten, kippelte dann aber wieder nach vorne zurück und stand wieder aufrecht. Das macht den Jungen nur noch neugieriger, sodass er nun dem Luftballonmann einen tüchtigen Stoß versetzte, diesmal mit voller Kraft. Aber auch diesmal passierte dasselbe: Der Luftballonmann kippte zwar zunächst nach hinten, wippte dann aber wieder nach vorne und blieb aufrecht stehen.  

In dem Augenblick kam der Vater des Jungen hinzu und sah, wie sein Sohn fasziniert den Luftballonmann anschaute. "Woher, glaubst du, kommt es, dass er jedes Mal wieder aufsteht, wenn du ihn niedergeschlagen hast?" fragte der Vater. Der Junge dachte eine Weile nach und sagte dann: "Vielleicht kommt das daher, dass er innerlich aufrecht steht."    

Kommentar: Wie oft kommt es vor, das wir von Situationen, Menschen oder Erlebnissen ins wanken geraten? Ich bin sicher, jeder kennt solche Situationen. Wichtig ist, wie wir damit umgehen, unsere innere Einstellung zum Leben, der Glaube an sich selbst und die innere Aufrichtigkeit. Ich wünsche Euch die Fähigkeit, innerlich aufrecht zu stehen, den Blick nach vorne und auf das Wesentliche gerichtet lassen zu können. Achtet die wichtigen Dinge und die Kleinigkeiten, die uns jeden Tag eine Freude bereiten können, wenn wir sie zu schätzen wissen.

Dezember 2009

Gibt es ein Christkind?  

Die achtjährige Virginia aus New York schrieb vor langer Zeit an die "SUN" einen Brief:  

Ich bin acht Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt kein Christkind. Papa sagt, was in der SUN steht, ist immer wahr. Bitte sagen Sie mir - gibt es ein Christkind?

Virginia O' Hanlon    

Liebe Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie glauben nur, was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen gehört oder einem Kind. Im Weltall verliert es sich wie ein Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu begreifen. Ja, Virginia, es gibt ein Christkind. Es gibt es so gewiss wie die Liebe und die Großherzigkeit und die Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es kein Christkind gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie - gar nichts, was das Leben erst erträglich macht. Ein Flackergeist an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen. Es gibt ein Christkind. Sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss könntest Du Deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, das Christkind zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme das Christkind zu Gesicht - was würde das beweisen? Kein Mensch sieht es einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken - geschweige denn, sie zu sehen -, das vermag nicht der Klügste auf der Welt. Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, den nicht einmal alle Gewalt auf der Erde zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann wird die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. "Ist das denn auch wahr?" kannst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und beständiger. Das Christkind lebt, und ewig wird es leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird es da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.  

Frohe Weihnacht, Virginia.

Februar 2010

Der Seelenvogel  

Tief, tief in uns wohnt eine Seele. Noch niemand hat sie gesehen, aber jeder weiß, dass es sie gibt.
Und jeder weiß auch, was in ihr ist.
In der Seele, in ihrer Mitte, steht ein Vogel auf einem Bein.
Der Seelenvogel. Und er fühlt alles, was wir fühlen.
Wenn uns jemand verletzt, tobt der Seelenvogel in uns herum;

hin und her, nach allen Seiten, und alles tut ihm weh.
Wenn uns jemand lieb hat, macht der Seelenvogel fröhliche Sprünge,
kleine, lustige, vorwärts und rückwärts, hin und her.

wenn jemand unseren Namen ruft, horcht der Seelenvogel auf die Stimme,
weil er wissen will, ob sie lieb oder böse klingt.
Wenn jemand böse auf uns ist, macht sich der Seelenvogel
ganz klein und ist still und traurig.
Und wenn uns jemand in den Arm nimmt, wird der Seelenvogel
in uns größer und größer, bis er uns fast ganz und gar ausfüllt.
So gut geht es ihm dann.
Ganz tief in uns ist die Seele. Noch niemand hat sie gesehen,
aber jeder weiß, daß es sie gibt.
Und noch nie, noch kein einziges Mal, wurde ein Mensch ohne Seele geboren.
Denn die Seele schlüpft in uns, wenn wir geboren werden,
und sie verläßt uns nie, keine Sekunde, solange wir leben.
So, wie wir auch nicht aufhören zu atmen, von unserer Geburt bis zu unserem Tod.
Sicher wollt ihr auch wissen, woraus der Seelenvogel besteht.
Das ist ganz einfach. Er besteht aus Schubladen.
Diese Schubladen können wir nicht einfach aufmachen, denn jede einzelne ist
abgeschlossen und hat ihren eigenen Schlüssel.
und der Seelenvogel ist der einzige, der die Schubladen öffnen kann.
Wie? Auch das ist ganz einfach: mit seinem Fuß.

Der Seelenvogel steht auf einem Bein. Das zweite hat er,
wenn er ruhig ist, an den Bauch gezogen.
Mit dem Fuß dreht er den Schlüssel zu der Schublade um,
die er öffnen will, zieht am Griff, und alles, was darin ist,
kommt zum Vorschein.
Und weil alles, was wir fühlen, eine Schublade hat,
hat der Seelenvogel viele Schubladen.
Es gibt eine Schublade für Freude und eine für Trauer.
Es gibt eine Schublade für Eifersucht und eine für Hoffnung.
Es gibt eine Schublade für Enttäuschung und eine für Verzweiflung.
Es gibt eine Schublade für Geduld und eine für Ungeduld.
Auch für Haß und Wut und Versöhnung.
Eine Schublade für Faulheit und Leere und eine Schublade für die geheimsten Geheimnisse.
Diese Schublade wird fast nie geöffnet.

Es gibt auch noch andere Schubladen. Ihr könnt selbst wählen, was drin sein soll.
Manchmal sind wir eifersüchtig, ohne dass wir es wollen.
Und manchmal machen wir etwas kaputt, wenn wir eigentlich helfen wollen.
Der Seelenvogel gehorcht uns nicht immer und bringt uns manchmal in Schwierigkeiten.......
Man kann schon verstehen, daß die Menschen verschieden sind,
weil sie verschiedene Seelenvögel haben.
Es gibt Vögel, die jeden Morgen die Schublade "Freude" aufmachen.
Dann sind die Menschen froh.

Wenn der Vogel die Schublade "Wut" aufmacht, ist der Mensch wütend.
Und wenn der Vogel die Schublade nicht mehr zuschließt,
hört der Mensch nicht auf, wütend zu sein. Manchmal geht es dem Vogel nicht gut.
Dann macht er böse Schubladen auf. Geht es dem Vogel gut,
macht er Schubladen auf, die uns guttun.

Manche Leute hören den Seelenvogel oft, manche hören ihn selten.
Und manche hören ihn nur einmal in ihrem Leben.
Deshalb ist es gut, wenn wir auf den Seelenvogel horchen,
der tief, tief in uns ist. Vielleicht spät abends, wenn alles still ist.                                                  

Aus dem Buch "Der Seelenvogel" von Michal Snunit & Na`ama Golomb

August 2009

Fünfzig Euro

Ein Referent begann sein Seminar damit, dass er einen Fünfzigeuroschein hochhielt und fragte: "Wer will diesen Fünfzigeuroschein haben?"

Einige schauten ein wenig zweifelnd - wollte er wirklich fünfzig Euro einfach so verschenken? Doch die meisten hoben sofort die Hand. Es gab ja nichts zu verlieren.

"Okay", fuhr der Referent fort. "Viele wollen den Geldschein haben. Aber wenn ich nun folgendes mit dem Geldschein mache", sagte er und knüllte den Geldschein zu einem kleinen Papierballen zusammen, "wer will ihn dann noch haben?"

Immer noch hoben viele im Saal die Hand.

"Eine letzte Frage", sagte der Referent. "Wollt ihr den Geldschein immer noch haben, auch wenn ich das mache?" Und er warf den Geldschein auf den Boden, trat auf ihn un hob ihn dann wieder auf. Nun war der Geldschein zerknüllt, schmutzig und ein bisschen kaputt.

Doch die Hände im Saal hoben sich immer noch.

"Ihr habt nun die erste Lektion für heute gelernt", sagte der Referent. "Ganz egal, was ich mit dem Fünfzigeuroschein getan habe, so wolltet ihr ihn immer noch haben. Weshalb? Doch wohl deshalb, weil er nicht seinen Wert verloren hat, egal was ich auch mit ihm gemacht habe. - Ihr seid wie Geldscheine. Das Leben wird euch ein ums andere Mal zusetzen, ihr werdet euch kaputt und angestoßen fühlen. Aber ihr behaltet weiterhin euren Wert. Für die Menschen in eurer Umgebung seid ihr von unschätzbarem Wert. Euer menschlicher Wet beruht nicht auf dem, was ihr tut oder was ihr könnt, sondern auf dem, was ihr seid."

Kommentar:
Die Geschichte regt dazu an, sich wieder auf seinen Wert zu besinnen. Egal welche Erlebnisse uns prägen oder welche Schicksalsschläge wir schon erleben mussten, nichts davon kann unseren Wert schmälern. Im Gegenteil, der Wert steigt dadurch sogar, wenn wir sie ausgestanden und durchlebt haben. Gerade die Erfahrungen machen einen Menschen aus und zu dem was er ist. Wichtig ist aus dem Leben zu lernen und sich immer weiter auf seinem Lebensweg zu entwickeln. Und darum vergiss nie: DU BIST WERTVOLL!


Juli 2009

Das Spiegelkabinett

Auf der Suche nach Futter verirrte sich Mischa, der Hund des griesgrämigen Rummelplatzbesitzers m Spiegelkabinett. Noch nie zuvor hatte er einen Spiegel gesehen. Plötzlich sah er sich von tausend fremden Hunden umgeben. Er schrak zusammen, legte die Ohren an und fletschte die Zähne. In dem Moment war er umgeben von tausend zähnefletschenden Hunden, die sein Leben bedrohten. Er begann zu knurren und sein Echo wurde von den Spiegelwänden tausendfach verstärkt. Mischa machte in wilder Panik kehrt und flüchtete so schnell er konnte. Nie wieder wollte er mit einem anderen Hund zu tun haben.

Die Jahre verstrichen bis Violetta, die kleine Hündin der Zuckerwatteverkäuferin, sich im Spiegelkabinett verirrte. Auch sie kannte weder Spiegel noch Spiegelbilder, und so fand auch sie sich plötzlich inmitten von tausend Hunden wieder. Violetta war ein freundlicher kleiner Hund. Sie stellte die Ohren auf und freute sich über alle Maßen über die vielen neuen Freunde. Und ihre Freunde freuten sich mit ihr. Violetta begann mit dem Schwanz zu wedeln und alle wedelten mit ihr. Glücklich verließ Violetta das Kabinet in dem Wissen, dass alle Hunde der Welt ihre Freunde sind.

Indisches Märchen

Kommentar:
Wer von uns kann das schon – immer positiv und offen zu sein? Wir wissen es alle „Positive Gedanken“ - aber die Umsetzung ist ungewohnt. Wir sollten es dennoch versuchen, wenn es auch nicht gleich auf anhieb klappt, so wird es sich doch einschleichen wenn wir es immer wieder in Angriff nehmen. Die Möglichkeit zu haben, positiv zu denken ist wunderbar!


Mai 2009

Die alte Münze

Auf dem Weg zu einem Geschäftstermin eilt Christina, eine Antiquitätenhändlerin, an einem Straßenmusikanten vorbei. Sie bückt sich zu der kleinen Blechbüchse, um 50 Cent einzuwerfen. Da entdeckt sie eine alte Münze in der Büchse. Sie erkennt sofort, dass es sich um eine seltene und wertvolle Münze handelt. Der junge Mann scheint keine Ahnung zu haben, welchen Schatz er da hat. Sie steckt die 50 Cent wieder ein und zieht einen 10 Euroschein aus ihrem Protmonee. „Ich habe es leider nicht kleiner“, sagt sie mit einem verlegenen Lächeln, „ich wechsle den Schein.“ Dabei legt sie die 10 Euro in die Büchse, zählt einige Münzen heraus und hält sie dem jungen Mann hin. „In Ordnung?“ „Natürlich! Heute ist mein Glückstag!“ lächelt der Musikant. „Aber Sie haben auch Glück! Denn diese Münze“, er deutet auf ihre Handfläche, „ist sehr wertvoll!“ „Was?“ stammelt Christina. Mit einem flüchtigen Nicken steckt sie die Münzen schnell weg und eilt davon.

Zwei Tage später steht sie wieder vor dem jungen Mann und streckt ihm die Münze entgegen. „Ich bringe sie ihnen zurück, obwohl ich weiß, dass ich nie wieder so eine Münze besitzen werde“, sagt sie leise. „Denn Sie besitzen etwas viel Wertvolleres: Verraten Sie mir, was es Ihnen möglich gemacht hat, mir diese Münze zu überlassen.“

Was ist Deine wertvollste Münze? Kannst Du sie loslassen? Du brauchst nicht deinen Besitz zu verschenken, nur in deinen Gedanken – das ist wirkliche Freiheit – von Herzen geben zu können, an nichts festzuhalten und in Dankbarkeit zu besitzen.

Kommentar:
So eine wertvolle Münze kann auch die Zeit sein, nicht der Zeit und den Terminen hinterher zu hetzen, sonder Zeit zu verschenken, an eine schöne Blume am Wegrand, an einen alten Baum am Waldrand oder auch an einen Vogel der am Himmel sich vom Wind tragen lässt. Ein kurzer Moment des Innehaltens und der Aufmerksamkeit – kostet Zeit – gibt aber ungemein viel Kraft, ein tiefes Durchatmen um mit neuer Energie weiter zu machen. Sofort kommt der Wert der Zeit zum Vorschein und wir können ihn spüren.


März 2009

Der große Gewinn

Stell Dir vor, du hast bei einem Wettbewerb den folgenden Preis gewonnen: Jeden Morgen stellt dir die Bank 86.400 Euro auf Deinem Bankkonto zur Verfügung. Doch dieses Spiel hat - genau wie jedes andere auch - gewisse Regeln: Regel Nr. 1 Alles was Du im Laufe des Tages nicht ausgegeben hast, wird Dir wieder weggenommen. Du kannst das Geld nicht einfach auf ein anderes Konto überweisen, Du kannst das Geld nur ausgeben. Aber jeden Morgen, wenn Du erwachst, stellt Dir die Bank erneut 86.400 Euro für den kommenden Tag auf Deinem Konto zur Verfügung. Regel Nr. 2 Die Bank kann das Spiel ohne Vorwarnung beenden. Zu jeder Zeit kann Sie sagen: Das Spiel ist aus. Sie kann das Konto schließen und Du bekommst kein neues mehr. Was würdest Du tun? Du würdest Dir alles kaufen, was Du möchtest. Nicht nur für Dich selbst, auch für alle anderen Menschen, die Du liebst. Vielleicht sogar für Menschen, die Du nicht einmal kennst, da Du das nie alles für Dich alleine ausgeben könntest. In jedem Fall aber würdest Du versuchen, jeden Cent so auszugeben, das Du ihn bestmöglichst nutzt, oder? Weißt Du eigentlich, dass dieses Spiel Realität ist? Jeder von uns hat so eine "magische Bank". Wir sehen sie nur nicht, denn die Bank ist die ZEIT. Jeden Morgen, wenn wir aufwachen, bekommen wir 86.400 Sekunden Leben für den Tag geschenkt und wenn wir am Abend einschlafen, wird uns die übrige Zeit nicht gut geschrieben. Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren, für immer verloren. Gestern ist vergangen. Jeden Morgen beginnt sich das Konto neu zu füllen, aber die Bank kann das Konto jederzeit auflösen, ohne Vorwarnung. Also was machst Du also mit Deinen täglichen 86.400 Sekunden? Sind sie nicht viel mehr Wert als die gleiche Menge in Euro? Also fang an, Dein Leben zu leben! (aus dem Buch von Marc Levy "Solange du da bist")


Januar 2009

Ein stiller Kletterer

Viele Legenden ranken sich um den Nebelberg, dessen Spitze nur alle 40 Jahre für einen einzigen Tag sichtbar wird. Und obwohl es Generationen versucht hatten, war es niemandem je gelungen, die Spitze dieses Berges zu erklimmen. „Es ist unmöglich“ sagten die Alten, aber die Jungen mussten ihre eigenen Erfahrungen machen. Das war früher so und es ist heute so. Es war wieder soweit „Die werden sich die Zähne ausbeißen“ „das schafft niemand“ Keiner der zahlreichen Zuschauer glaubte, dass irgendjemand es schaffen könnte., Und so kam es, dass die ersten bereits vor dem Start aufgaben uns sich beim Volksfest vergnügten (das auch nur alle 40 Jahre stattfindet).

Start! Eine Tausendschaft zog dem Fuße des Berges entgegen. Es kam wie vorausgesehen: Viele Stunden später, aber nach kaum einem Drittel des Anstiegs waren die meisten schon wieder umgekehrt. Bei der Hälfte waren sie zu einem kleinen Häufchen zusammengeschrumpft und schließlich waren es nur noch ganz wenige fest Entschlossene, aber auch die resignierten nach und nach: „Die Alten haben recht. Was solls....“ Nur ein stiller Kletterer stieg unverdrossen weiter.
Er wollte es den Alten offenbar beweisen. Er kletterte immer höher, stieg unbeirrbar dem Gipfel entgegen und schaffte es! Mit letzter Kraft und überglücklich stand er auf dem Gipfel! Sie können sich die Aufregung vorstellen! Da hat einer das Unmögliche geschafft! Wieder zurück, umringten die Zuschauer ihn. Jeder wollte natürlich wissen, wie es ihm gelungen sei, den Gipfel zu besteigen. Das hörte der stille Gipfelstürmer aber nicht. Er war taub.

Kommentar:
Eine Geschichte die wie ich finde, oft auf andere Bereiche in unserem Leben umzulegen ist. Wie oft hören wir „Das ist nicht zu schaffen“ „Da bist Du viel zu unqualifiziert“ „Das darfst du nicht“ „Das kannst du nicht“ und noch viele dieser Sätze mehr. Wer lässt sich davon nicht manchmal einschüchtern und überlegt tatsächlich. Hören wir diese negativen Dinge aber nicht, verlassen wir uns auf unser Gefühl, unsere Wünsche und unsere Fähigkeiten, ist oft das „unmögliche“ doch zu schaffen. Vielleicht über Umwege, vielleicht mit Entbehrungen aber jeder kann seine Ziele erreichen wenn er es wirklich will und sich das ein oder andere mal, besser taub stellt. In diesem Sinne, verlassen wir uns wieder auf unser Gefühl, lernen wir wieder mehr auf uns zu vertrauen und packen wir es an!


Dezember 2008

Saft, Kekse & Der liebe Gott

Peter stand kurz vor seiner Erstkommunion und das Thema Gott ließ ihn nicht mehr los. Er hatte zwar keine klare Vorstellung von Gott, wusste aber genau, dass er ihn unbedingt treffen musste, damit er ihm all die wichtigen Fragen stellen konnte, die ihn beschäftigten. Also machte er sich auf den Weg, um Gott zu treffen.

Peter packte Kekse und Saft in den Rucksack und spazierte los. Er hielt Augen und Ohren offen, um Gott nicht zu verpassen, denn die Erwachsenen meinten zwar, dass Gott überall sei, aber wo genau, dass wusste keiner.

Mit der Zeit wurde der Rucksack schwer, aber Peter hatte Gott immer noch nicht getroffen. Er steuerte müde und ein wenig bedrückt eine Parkbank an, auf der bereits eine ältere Dame saß. Sie lächelte Peter freundlich an und fütterte dann wieder die Enten im Teich mit Brotkrumen. Peter setzte sich schweigend neben sie und packte die Kekse aus.

Die alte Dame lächelte wieder und Peter lächelte zurück und irgendwann begannen die beiden ein Gespräch. Sie redeten und lachten und Peter stellte ihr viele Fragen. Die alte Dame erzählte wunderbare Geschichten über die Natur, über die Menschen, die Tiere und über Gott. Die beiden saßen lange auf der Parkbank, so lange, bis alle Kekse aufgegessen, kein Saft mehr übrig und es schon dämmrig geworden war. Sie verabschiedeten sich herzlich und machten sich auf den Heimweg.

Peter strahlte, als er nach Hause kam und erzählte seiner Mutter sofort von dem wunderbaren Nachmittag: „Ich habe Gott getroffen! Wir haben Kekse gegessen und Saft getrunken. Und Gott kann alle Fragen der Welt beantworten und die besten Geschichten erzählen!“

Auch dem Mann der alten Dame fiel das verzauberte Lächeln in deren Gesicht gleich auf. „Ich habe Gott getroffen“, meinte sie lächelnd. „Wir haben Kekse miteinander gegessen und Saft getrunken. Gott ist viel jünger als ich ihn mir vorgestellt habe, aber er stellt interessante Fragen und ist ein wunderbarer Zuhörer.“

Kommentar:
Wir können in jedem Menschen, in jedem Tier und in der Natur Gott treffen, man muss nur hören und spüren........ sich einlassen auf besondere Erlebnisse.....


November 2008

Die Welt in Ordnung bringen

Robert hatte einen dringenden Auftrag zu erledigen und musste dazu noch einmal ins Büro. Seine kleine Tochter Nadine konnte er nicht alleine zu Hause lassen, also nahm er sie mit. Nadine mochte Papas Büro, weil da so viele interessante Dinge herumstanden. Robert musste sich eine Beschäftigung für Nadine einfallen lassen, die seinen Vorstellungen von pädagogisch sinnvoller Frühförderung entsprach und sie vor allen Dingen die nächste Stunde in Anspruch nehmen würde.

In einer Zeitschrift fand er eine besonders schöne Aufnahme der Erdkugel. Die schnitt er in viele kleine Teile, legte diese auf ein Tablett, mischte sie gut durch und überreichte Nadine das Puzzle.

Nadine zog sich zufrieden ins Nachbarbüro zurück – und kaum zehn Minuten später stand sie stolz vor Robert, mit samt der fehlerlosen Abbildung der Erde. Auf Roberts erstaunten Blick erwiderte sie strahlend „Weißt du Papa, auf der Rückseite war ein Mensch drauf. Der war leichter. Da habe ich den Menschen zusammengesetzt. Und als der Mensch in Ordnung war, war auch die Welt in Ordnung“.

Kommentar:
Die Welt um Dich herum reagiert auf Dich. Sie ist formbar wie Ton und alles was Du tust und genauso das was Du nicht tust hinterlässt Abdrücke und Spuren. Es ist eine äußerst machtvolle Position in der wir sind. Mit Kleinigkeiten können wir unser Leben und unsere Umwelt verändern.


Oktober 2008

Der Rat einer alten Dame

Hätte ich die Möglichkeit, mein Leben noch einmal zu leben, ich würde es leben wie ein großes Fest. Ich würde mehr lachen und mich meiner Tränen niemals schämen. Ich würde mehr auf meine innere Stimme hören und weniger auf die der anderen. Ich würde mir selber öfter Geschenke machen. Ich würde öfter tanzen gehen und barfuß durch den Regen laufen. Ich würde die Gegenwart der Vergangenheit vorziehen und jeden Augenblick in seiner Einzigartigkeit genießen. Ich würde unter jedem Kieselstein ein großes Wunder und hinter jedem Blatt meines Apfelbaumes eine kleine Fee vermuten.

Könnte ich mein Leben nochmals leben, ich würde reisen und meine Erlebnisse in bunten Farben niederschreiben. Ich würde fremde Sprachen lernen und aus Fremden Freunde machen. Ich würde das Leben ernst nehmen, aber nicht jede Kleinigkeit, die es mit sich bringt. Über Probleme würde ich mir erst dann den Kopf zerbrechen, wenn sie wirklich da sind. Ich würde frühmorgens aufstehen, die Einzigartigkeit der aufgehenden Sonne genießen und spätabends neue Sterne am Firmament entdecken. Ich würde mehr lieben und weniger hassen, mehr lachen und weniger grübeln.

Ich würde einfach leben!

Kommentar:
Möchtest Du den Rat dieser alten Dame noch etwas vertiefen? Wie schön! Stell Dir einmal vor, Du bist heute 80 Jahre alt, hast Dein Wunschleben gelebt und blickst zufrieden darauf zurück. Schreib Dir nun selbst einen Brief, wie eine alte Freundin, ein alter Freund einer/einem Jüngeren. Schreib alles auf was Du erreicht hast, was in Deinem Leben besonders wichtig war und ist, welche Eigenschaften Du an Dir besonders magst und auf was Du stolz bist. Nimm Dir Zeit dafür. Du hast nun den Wegweiser für Dein ganz persönliches Lebensglück in der Hand! Bewahre ihn Dir gut auf. Lass Dich von Deinem Leben in diese Richtung führen und lies den Brief ab und zu durch. Gerade in sensiblen und schwierigen Lebensphasen ist er ein zuverlässiger Gefährte.

Viel Spaß dabei!